DER PRIVATARZT- Dermatoonkologie: 09. Rheinischer Hautkrebssymposium
Ohne Zweifel wird der Stellenwert der Dermatoonkologie in den nächsten Jahren immer stärker zunehmen. Die Zielsetzung des 09. Rheinischen Hautkrebssymposiums, das im Juni 2011 in Düsseldorfstattfand, ist seit jeher stark an den Interessen nieergelassener Dermatologinnen und Dermatologen orientiert. In diesem Jahr wurde das wissenschaftli-che Programm erheblich ausgeweitet und durch diverse praktische Kurse ergänzt.In den beiden operativen Kursen – OP-Grundkursvon Dr. Susanne Pullmann (Krefeld) und Op-Kurs „Fortgeschrittene“ von Dr. Klaus-Werner Schulte (Düsseldorf) und Prof. Thomas Dirschka (Wuppertal) wurde in der Gesamtschau deutlich, dass gerade dieoperativen Grundtechniken am stärksten gefragt waren. Dies mag auch daran liegen, dass in den ausbildenden Kliniken die operativen Positionen oft starr besetzt werden und eine Rotation von Assistenten in den OP nicht immer realisiert werden kann.
Ein Workshop zur Elektrochemotherapie fand unter Leitung von Prof. Uwe Reinhold (Bonn) statt. Dieses innovative Verfahren ist besonders zur Behandlung ausgedehnter kutaner Metastasen u.a. beim Mamma-Karzinom und malignen Melanom geeignet. Aktuelle Verhandlungen mit den Kostenträgern sollen die Elektrochemotherapie im Bereich der ambulanten Dermatoonkologie implementieren.
Neue Therapieoptionen beim Melanom
Prof. Stephan Grabbe (Mainz) berichtete über neue Therapien beim Malignem Melanom. Einen besonderen Schwerpunkt bildete der gerade neu in Deutschland zugelassene monoklonale Antikörper Ipilimumab, der erstmals das Überleben beim metastasierten Malignem Melanom verlängert, und von dem insbesondere eine Subgruppe von Patienten dauerhaft profitiert – dies sind ca. 15% der Patienten, die jedoch immunologisch/genetisch weiter differenziert werden müssen. Bislang gibt es noch keine validen Surrogatparameter, die diese Patientengruppe bereits vor Therapie identifizieren könnten. Das Nebenwirkungsspektrum wird durch die Auslösung von Autoimmunphänomenen dominiert. Eine andere interessante Substanz ist Vemurafenib, das ein gutes, jedoch zeitlich begrenztes Ansprechen bei vielen Patienten mit malignem Melanom zeigt. Diese Substanzen müssen laut Prof. Grabbe als erster Lichtstrahl am Horizont bei bislang oft frustrierenden Therapien beim malignen Melanom verstanden werden. Dr. Peter Radny (Friedrichshafen) sprach zu aktuellen Entwicklungen der photodynamischen Therapie. Schwerpunkt bildete die topische photodynamische Therapie unter besonderer Berücksichtigung von BF200 ALA, einer Nanosuspension, deren Wirksamkeitund Verträglichkeit in klinischen Studien dokumentiert wurde. Die Zulassung des Präparates ist beantragt. Ferner wurde über die systemische photodynamische Therapie berichtet, die jedoch einen noch stark experimentellen Charakter aufweist.
Sonne – Freund oder Feind?
Der Vortrag von Prof. Jörg Reichrath (Freiburg) widmete sich der Thematik „Sonne – Freund oder Feind:
Aktuelles zum Vitamin D“. Er beleuchtete eine aktuelle Kontroverse, die sich mit der Abwägung schädigender und günstiger Effekte der UV-Strahlung auseinandersetzt. In den USA werden jährlich ca. 500.000 Todesfälle indirekt mit einer Vitamin D Defizienz in Zusammenhang gebracht. So wird unter anderem die Mortalität des Prostatakarzinoms und des Ovarialkarzinoms mit verminderten Vitamin D- Spiegeln in Verbindung gebracht. Ferner zeigt sich, dass die Inzidenz der Multiplen Sklerose in den weniger besonnten Bundesstaaten der USA höher ist als in den Südstaaten. Die bereits dort lebhaft geführte Diskussion wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Deutschland gelangen, sodass der Kenntnisstand zu dieser Thematik für Dermatologen besonderes Gewicht haben wird.
Die andere Seite der UV-Belastung wurde von Dr. Hanspeter Prieur (Duisburg) besprochen. Er stellteein von Onkoderm e.V. entwickeltes Lichtschutzprogramm vor, das auf Verhaltensregeln, topischemLichtschutz, oralem Lichtschutz und textilem Lichtschutz aufbaut und besonders zur Erläuterung von Lichtschutzmaßnahmen in der dermatologischen Praxis geeignet ist.
Über „Anerkennung von Hautkrebs als Berufskrankheit“ referierte Dr. Richard Brans (Osnabrück). Gerade an diesem Thema entspann sich eine lebhafte Diskussion, da für bestimmte Berufsgruppen (z.B. Gärtner, Dachdecker, Straßenbauarbeiter) die Unfallversicherungsträger als Kostenträger in Frage kommen. Mit dem Vortrag verband sich der Appell, Personen möglicher Risikoberufsgruppen den Unfallversicherungsträgern zu melden.
Dr. Arne Gerber berichtete über dermatologische Nebenwirkungen onkologischer Therapien. Dermatologen stellen die wichtigsten Ansprechpartner bei einem immer variantenreicheren Spektrum von Nebenwirkungen moderner Onkologika dar. Im Fokus standen dabei in den letzten Jahren die EGFR-Antagonisten (EGFR = epidermal growth factor receptor) wie z.B. Cetuximab. Zwischenzeitlich wurden diverse Therapiealgorithmen entwickelt, die in den verschiedenen Phasen des typischen akneiformen (eigentlich rosaceiformen) Exanthems eingesetzt werden können.
„Aus Fehlern lernen“
Das klinische Bewußtsein der Teilnehmer wurde durch die Vorstellung seltener Hauttumoren (Prof. Dr. Dr. Cornelia Mauch, Köln) und Hautkrebs im Kindesalter (Prof. Dr. Dietrich Abeck, München) geschärft.
Die abschließende offene Podiumsdiskussion zu Behandlungsfehlern in der Dermatologie unter Leitung von Prof. Mahrle, Prof. Kreysel und Prof. Lehmann wurde ihrem Motto „aus Fehlern lernen“ gerecht, gerade was die Beurteilung und den Umgang mit pig-mentierten Hautveränderungen angeht. Die fehlerhafte Einschätzung pigmentierter Hautveränderungen oder depigmentierter maligner Melanome stellt nach wie vor einen Schwerpunkt in gutachterlichen Auseinandersetzungen dar. Deshalb ist es sinnvoll, bei fraglichen Befunden eine Exzisionsbiopsie zu gewinnen und histologisch untersuchen zu lassen.
Das bewährte Konzept der diesjährigen Tagung, das auf die Kombination praxisorientierter Seminare mit wissenschaftlichen Vorträgen setzt, wird auch beim nächstjährigen 10. Rheinischen Hautkrebssymposiumin Bonn fortgeführt.













